EVBG Screening © Ink Agop

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*** English version below ***

EVBG: Filmprogramm ausgewählt von EVBG

20.08.2020, 20:30 Uhr White Walls
05.09.2020, 20:00 Uhr Taking Back the Streets: Ovarian Psycos

Filmprogramm mit Beiträgen von:

James Gregory Atkinson
The Day I Stopped Kissing my Father, 2019, Video, Ton, Farbe, 03:54 min., Musik: Ahya Simone

Danielle Dean
Biowhite, 2011, Video, Ton, Farbe, 06:56 min.

Vika Kirchenbauer
Welcome Address, 2017, Video, Ton, Farbe, 12:00 min., Performance & Übersetzung: Ashkan Sepahvand

Emma Wolukau-Wanambwa 
A Short Video About Tate Modern, 2003–2005, Video, Ton, Farbe, 05:07 min.

Joanna Sokolowski & Kate Trumbull-Lavalle
Ovarian Psycos, 2016, Video, Ton, Farbe, 75:00 min.


EVBG: White Walls

Von oben nach unten und von links nach rechts: James Gregory Atkinson, The Day I Stopped Kissing my Father, 2019, Videostill; Danielle Dean, Biowhite, 2011, Videostill; Vika Kirchenbauer, Welcome Address, 2017, Videostill; Emma Wolukau-Wanambwa, A Short Video About Tate Modern, 2003–2005, Videostill

White Walls, ein Filmprogramm von EVBG, untersucht urbane Architekturen und etablierte Institutionen als Schauplätze der Ausgrenzung. Wie navigieren sich Körper durch Räume, die eindeutig nicht für sie bestimmt sind? Ob die Wände von Museen, öffentliche Einrichtungen oder städtische Strukturen – sie sind im wörtlichen, symbolischen und strukturellen Sinne weiß. Sie schließen die Geschichten marginalisierter Körper aus oder heben diese als das* nicht-weiße “Andere” hervor.

Die ausgewählten Videoarbeiten werfen Fragen zur Verflechtung von Architektur, Repräsentation und Sichtbarkeit auf und problematisieren die Verfestigung von normativen „Wahrheiten“ durch öffentliche Raumgestaltung. Dabei untersuchen sie kritisch die „weißen Wände“ von vier spezifischen Institutionen:

In James Gregory Atkinsons „The Day I Stopped Kissing my Father“ wandert ein schwarzer Hahn durch die Hallen der öffentlichen Bibliothek in Detroit und blickt zu den hohen Decken- und Wandgemälden auf, die historisch als wichtig bewertete Ereignisse der U.S. amerikanischen Geschichte darstellen – eine scheinbar exklusiv weiße Geschichte, aus der BIPoC systematisch ausradiert wurden. Der Titel spielt auf den Moment des Erwachsenwerdens an, in dem viele junge Männer* aufgrund verinnerlichter Homophobie aufhören, ihren Vätern gegenüber Zuneigung zu zeigen und reflektiert damit postkoloniale, normative Vorstellungen von Männlichkeit, Macht und Patriarchat.

Danielle Deans „Biowhite“ ist auf dem Gelände des Salk Institute in Kalifornien aufgenommen, wo Forschungen an Hautaufhellungsprodukten durchgeführt wurden. Das Video vergleicht die Besessenheit des Architekten Louis Kahn mit weißem Beton – der idealsten und reinsten aller Bausubstanzen – mit dem gesellschaftlichen Verlangen nach heller Haut, das in vielen Regionen der Welt den Kolonialismus überlebt zu scheinen hat. In beiden Fällen soll die äußere Hülle ein vermeintlich reines, authentisches Inneres widerspiegeln.

In „Welcome Address“ von Vika Kirchenbauer hält der Kurator und Forscher Ashkan Sepahvand, der 2017 im Schwulen Museum Berlin die Ausstellung „Odarodle – An Imaginary Their_Story of Nature Peoples, 1535–2017“ organisierte, eine Begrüßungsrede. Nachdem er ein Stipendium erhalten hatte, um die Sammlung des Museums durch eine postkoloniale Linse zu untersuchen, enthüllen seine Ausstellung sowie Kirchenbauers Videoarbeit die Komplexität von Repräsentationspolitik. Er identifiziert „Diversität“ und „Vielfalt“ als Konzepte, die sich in eine Art symbolische Währung verwandeln lassen, wenn Museen öffentlich Selbstreflexion und politische Korrektheit zu praktizieren versuchen.

Emma Wolukau-Wanambwa berichtet in „A Short Video About Tate Modern“ von ihren herabsetzenden Erlebnissen und Beobachtungen in den ungewöhnlich weißen Räumen der Tate Modern, einem weltbekannten Londoner Kunstmuseum. Wer wird hier unter welchen Bedingungen sichtbar? Und wer bleibt dabei unsichtbar? Das ständige Gefühl von Hypervisibilität, mit dem sie sich in den weißen Ausstellungsräumen des Museums konfrontiert sah, und die Absurdität des ständigen Blicks konfrontiert Wolukau-Wanambwas mit rassismuskritischen Interventionen innerhalb der Museumsarchitektur.

 

EVBG (gegründet 2015 in Berlin) ist ein Projekt der Kuratorinnen Marie Sophie Beckmann und Julie Gaspard, das sich neugierigen Ausflügen in die Gegenwart widmet: Feminismus, Repräsentation und Erwartung, Avocado Toast und Hashtags. EVBG ist offen für Erkundungen, Entwicklungen und Verfeinerungen. Als kuratorisches Kollektiv haben sie bereits Ausstellungen organisiert, u.a. in: Efremidis Gallery, Berlin (2019); uqbar, Berlin (2019); Project Space Festival Berlin (2019); Salon Gallery, Berlin (2019); PSM Gallery, Berlin (2018). 2019 wurde EVBG mit dem Preis für künstlerische Projekträume und -initiativen ausgezeichnet.

JAMES GREGORY ATKINSON (*1981 in Bad Nauheim, Deutschland) ist ein deutsch-amerikanischer Künstler und lebt in New York. Er hat am Lette-Verein, Berlin, Fotografie und Design (2010) sowie an der Cooper Union School of Art in New York (2015) studiert und schloss sein Studium an der Städelschule, Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt mit einem Meisterschüler ab (2016). Er erhielt Künstlerresidenzen von der Villa Aurora, Los Angeles (2016) und der Jan Van Eyck Akademie, Maastricht (2017) und ein Atelierstipendium von der Hessischen Kulturstiftung (2018-2019). Seine Werke wurden ausgestellt u.a. in: Kunstraum München e.V. (2018); MMK Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main (2016); Ludlow 38, New York (2015).

DANIELLE DEAN (*1982 in Huntsville, Alabama/USA) ist eine interdisziplinär arbeitende Künstlerin, die sich mit der Konstruk- tion von ethnischen, sozialen und geschlechtsspezifischen Rollen- bildern beschäftigt, indem sie Erzählungen untersucht, die sie in Nachrichten, in der Werbung und Populärkultur findet. Sie nimmt die zugrunde liegenden Machtstrukturen in den Blick, die zur Manipulation von Gedanken, Gefühlen und sozialen Beziehungen führen. Dean erhielt ihren MFA am California Institute of the Arts und ist Absolventin des Whitney Independent Study Program und der Skowhegan School of Painting and Sculpture. Ihre Arbeiten wurden präsentiert u.a. bei: Ludwig Forum Aachen (Solo, 2019); Museum of Contemporary Art Detroit (Solo, 2018); Bazar at 47 Canal, New York (Solo, 2018); Cubitt Gallery, London (2018); Stedelijk Museum Amsterdam (2018); Lafayette Anticipation, Paris (2018), Studio Museum in Harlem, New York (Solo, 2015).

VIKA KIRCHENBAUER (*1983 in Berlin) ist Künstlerin, Schriftstellerin und Musikproduzentin in Berlin. Ihre Arbeiten erforschen die Darstellungen von als marginalisiert gelesenen Personen und wie diese verschiedene Formen von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit beeinflussen. Ausgestellt wurden ihre Arbeiten bereits u.a. bei: Whitechapel Gallery London (2020); Kunsthal Charlottenborg Copenhagen (2019); Neuer Berliner Kunstverein (2016).

EMMA WOLUKAU-WANAMBWA (*1976 in Glasgow) ist Künstlerin und Forscherin. Zu ihren jüngsten Ausstellungen gehören: Württemburgischer Kunstverein, Stuttgart (2020); Bergen Assembly, Niederlande (2019); La Colonie, Paris, FR, 2019; 62nd BFI London Film Festival (2018); The Showroom Gallery, London (2018); Museum of Modern Art, Warschau (2018–2019); 10. Berlin Biennale of Contemporary Art, Berlin (2018); Centro Andaluz de Arte Contemporaneo-CAAC, Sevilla, Spanien (2017); National Gallery of Zimbabwe, Harare (2016); Makerere Uni- versity Art Gallery, Kampala, Uganda (2016); Kunsthalle Bremen (2016)

 

EVBG: Taking back the streets
Joanna Sokolowski & Kate Trumbull-LaValle, Ovarian Psycos, 2016
Video, Ton, Farbe, 75:00 min.

Joanna Sokolowski & Kate Trumbull-Lavalle, Ovarian Psycos, 2016, Video, Ton, Farbe, 75:00 min., Foto: Michael Raines
„Anarco Feminist Ideals With Indigena Understandings and an Urban/Hood Mentality“ ist seit 2010 das Credo der Ovari- an Psyco-Cycle Brigade. Der Dokumentarfilm von Joanna Sokolowski und Kate Trumbull-LaValle gibt einen Einblick in das Leben einer Gruppe von Womxn of Color, die gemeinsam durch die Straßen der East Side Los Angeles radeln und jene Räume zurückerobern, in denen ihnen die städtische Infrastruktur das Gefühl gibt, nicht dazu zu gehören: „Our work was born from a very real need to affirm our existence, reclaim our agency, engaging collectively in efforts to propagate rage and rebellion.“ (dt.: „Unsere Arbeit entstand aus einem sehr realen Bedürfnis heraus, unsere Existenz zu bekräftigen, unsere Entscheidungsfreiheit zurückzugewinnen und gemeinsam Anstrengungen zu unternehmen, um Wut undRebellion zu verbreiten.“)

 

EVBG ist ein kuratorisch tätiges Projekt von Marie Sophie Beckmann und Julie Gaspard. Im Rahmen des Festivals präsentieren sie ein Filmprogramm, bestehend aus zwei Teilen, die sich jeweils mit Architekturen der Exklusion beschäftigen.

 

***English version***

EVBG: Film program selected by EVBG

20.08.2020, 8:30 PM White Walls
05.09.2020, 8:00 PM Taking Back the Streets: Ovarian Psychos

Film program with contributions by:

James Gregory Atkinson

The Day I Stopped Kissing my Father, 2019, sound, color, 03:54 min., Music: Ahya Simone

Danielle Dean

Biowhite, 2011, video, sound, color, 06:56 min.

Vika Kirchenbauer 

Welcome Address, 2017, one-channel-video, sound, color, 12:00 min., Performance & Translation: Ashkan Sepahvand

Emma Wolukau-Wanambwa

A Short Video About Tate Modern, 2003-2005, video, sound, color, 05:07 min.

Joanna Sokolowski & Kate Trumbull-Lavalle

Ovarian Psycos, 2016, video, sound, color, 75:00 min.

 

EVBG: White Walls 

From up to down and from left to right: James Gregory Atkinson, The Day I Stopped Kissing my Father, 2019, Videostill; Danielle Dean, Biowhite, 2011, Videostill; Vika Kirchenbauer, Welcome Address, 2017, Videostill; Emma Wolukau-Wanambwa, A Short Video About Tate Modern, 2003–2005, Videostill

White Walls, a film program by EVBG, looks at city architecture and established institutions as sites of marginalization. How do bodies navigate through spaces that are clearly not meant for them? Whether the walls of museums, public institutions or urban structures―in our society, they still remain white: in the lit- eral, symbolic and structural sense. They exclude the histories of marginalized bodies or make their presence hyper-visible in order to mark them as the* non-white “other”.The selected video works raise questions about the interweaving of architecture, representation and visibility and problematize the consolidation of normative “truths” through public space structures. They critically examine the “white walls” of four specific institutions:

In James Gregory Atkinson’s “The Day I Stopped Kiss- ing my Father”, a black rooster wanders through the halls of the Detroit Public Library and looks up at the high ceiling and wall paintings depicting moments of U.S. history that were historically considered important―a seemingly exclusively white history from which BIPoC were systematically erased. The work’s title alludes to the moment of growing up, in which many young men* stop showing affection to their fathers due to internalized homophobia, and therefore reflects on postcolonial, normative notions of masculinity, power, and patriarchy.

Danielle Dean’s “Biowhite” is recorded on the premises of the Salk Institute in California, where research on skin whitening products was conducted. The video compares architect Louis Kahn’s obsession with white concrete―the most ideal and pure of all building materials―with the social desire for light skin that seems to have survived colonialism in many regions of the world. In both cases the outer shell supposedly reflects a pure, authentic inner.

In “Welcome Address” by Vika Kirchenbauer, curator and researcher Ashkan Sepahvand, who organized the exhibition “Odarodle―An Imaginary Their_Story of Nature Peoples, 1535- 2017” at the Schwules Museum Berlin in 2017, gives a welcoming speech. Having received a grant to examine the museum’s collection through a postcolonial lens, his exhibition and Kirchenbauer’s video reveal the complexity of representation politics at work. He identifies “diversity” and “multiplicity” as concepts that can be transformed into a kind of symbolic currency when museums publicly seek to perform self-reflection and political correctness.

In “A Short Video About Tate Modern” Emma Wolukau-Wanambwa reports on her marginalizing experiences and observations in the unusually white interior of the Tate Modern, an art museum in London. Who becomes visible under which conditions? And who will remain invisible? The constant feeling of hyper-visibility with which Wolukau-Wanambwas was confronted in the museum’s white exhibition space, and the absurdity of the permanent gaze are confronted with critical interventions within the museum architecture.

 

EVBG (founded 2015 in Berlin) is a project by curators Marie Sophie Beckmann and Julie Gaspard that is dedicated to curious excursions into the present: feminism, representation and expectation, avocado toast and hashtags. EVBG is open for exploration, development and refinement. As a curatorial collective they have organized exhibitions, among others in: Efremidis Gallery, Berlin (2019); uqbar, Berlin (2019); Project Space Festival Berlin (2019); Salon Gallery, Berlin (2019); PSM Gallery, Berlin (2018). In 2019, EVBG was awarded the Preis für künstlerische Projekträume und -initiativen (prize for artistic project spaces and initiatives).

JAMES GREGORY ATKINSON (*1981 in Bad Nauheim, Germany) is a German-American artist and lives in New York. He studied photography and design at the Lette-Verein, Berlin (2010), graduated from the Cooper Union School of Art in New York (2015) and completed his studies at the Städelschule, Staatliche Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt with a master student (2016). He received artist residencies from the Villa Aurora, Los Angeles (2016) and the Jan Van Eyck Akademie, Maastricht (2017) and a studio grant from the Hessian Cultural Foundation (2018-2019). His works have been exhibited in: Kunstraum München e.V. (2018); MMK Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main (2016); Ludlow 38, New York (2015).

DANIELLE DEAN (*1982 in Huntsville, Alabama/USA) is an interdisciplinary artist who works on the construction of ethnic, social and gender-specific role models by examining narratives found in news, advertising and popular culture. She focuses on the underlying power structures that lead to the manipulation of thoughts, feelings and social relationships. Dean received her MFA from the California Institute of the Arts and is a graduate of the Whitney Independent Study Program and the Skowhegan School of Painting and Sculpture. Her work has been presented among others at: Ludwig Forum Aachen (Solo, 2019); Museum of Contemporary Art Detroit (Solo, 2018); Bazar at 47 Canal, New York (Solo, 2018); Cubitt Gallery, London (2018); Stedelijk Museum Amsterdam (2018); Lafayette Anticipation, Paris (2018), Studio Museum in Harlem, New York (Solo, 2015).

VIKA KIRCHENBAUER (*1983 in Berlin) is an artist, writer and music producer in Berlin. Her work explores the representations of people read as marginalized and how they influence different forms of visibility and invisibility. Her work has already been exhibited at, among others, the following venues: Whitechapel Gallery London (2020); Kunsthal Charlottenborg Copenhagen (2019); Neuer Berliner Kunstverein (2016).

EMMA WOLUKAU-WANAMBWA (*1976 in Glasgow) is an artist and researcher. Her recent exhibitions include: Württemburgischer Kunstverein, Stuttgart (2020); Bergen Assembly, Netherlands (2019); La Colonie, Paris, FR, 2019; 62nd BFI London Film Festival (2018); The Showroom Gallery, London (2018); Museum of Modern Art, Warsaw (2018-2019); 10. Berlin Biennale of Contemporary Art (2018); Centro Andaluz de Arte Contemporaneo-CAAC, Sevilla, Spain (2017); National Gallery of Zimbabwe, Harare (2016); Makerere University Art Gallery, Kampala (2016); Kunsthalle Bremen (2016).

 

EVBG: Taking back the streets

Joanna Sokolowski & Kate Trumbull-LaValle: Ovarian Psycos, 2016
video, sound, color, 75:00 min.

Joanna Sokolowski & Kate Trumbull-Lavalle, Ovarian Psycos, 2016, video, sound, color, 75:00 min., videostill, Photo: Michael Raines

“Anarco Feminist Ideals With Indigena Understandings and an Urban/Hood Mentality” is the credo of the Ovarian Psyco-Cycle Brigade since 2010. The documentary by Joanna Sokolowski and Kate Trumbull-LaValle gives an insight into the life of a group of Womxn of Color. Together they cycle through the streets of Los Angeles’ East Side to reclaim the spaces in which they are made to feel like outsiders*: “Our work was born from a very real need to affirm our existence, reclaim our agency, engaging collectively in efforts to propagate rage and rebellion.

EVBG is a curatorial project by Marie Sophie Beckmann and Julie Gaspard. During the festival they present a film program consisting of two parts, each of which examines architectures of exclusion.

 

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