Selbstähnlich und Seltsam

19.1.19 | 18:00 21:00 | Projektraum 04 | Veranstaltung

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„Selbstähnlich und Seltsam“ von Wolfgang Spahn

Kuratiert von Art Claims Impulse
https://www.art-claims-impulse.com


Vernissage:
19.01.2019, 18 –  21 Uhr
Laufzeit: 20.01.2019 - 03.02.2019, 14 - 19 Uhr


Seltsame Attraktoren

Eine Installation zwischen Zufall, Chaos und Ordnung
It‘s Organic if you Look Close Enough
Die vertonte Makrostruktur eines OLED Monitors
Selbstähnliche Strukturen
Ein Apparatus zur Untersuchung fraktaler Strukturen

Die Ausstellung „Selbstähnlich und Seltsam“ ist an der Schnittstelle zwischen Kunst, Technologie und Chaostheorie angesiedelt. Sie besteht aus drei Klang-Licht-Installationen in Kombination mit zahlreichen Drucken. Der Klang- und Videoanteil aller drei Apparaturen wird als Live-Stream ins Netz gestellt und ist so weltweit abrufbar.

Seit der Mathematiker Benoit Mandelbrot 1967 in seinem Paper „How Long Is the Coast of Britain?” Statistical Self-Similarity and Fractional Dimension Strukturen in der Natur als „selbstähnliche Systeme“ geometrisch beschrieb, sind fraktale Strukturen immer wieder Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung. Seltsame Attraktoren sind ebenso chaotische Fraktale die wie die Selbstähnlichen Strukturen einen wichtigen Teil der Chaosforschung ausmachen und die wiederum Kern und Leit-Gedanken der Ausstellung sind.

So kombiniert die Installation Selbstähnliche Strukturenlive Makroaufnahmen von Moosen und Flechten mit digitalen Luftaufnahmen, um die verborgenen fraktalen Strukturen der einzigartigen Flora der Region Magallanes in Chile sichtbar zu machen. Fraktale Strukturen bleiben sich trotz Veränderung der Betrachtungsgröße selbst ähnlich (Benoit Mandelbrot „Theory of Roughness“). Das Projekt zielt darauf ab, die Selbstähnlichkeit in den natürlichen Strukturen dieser Region sowohl makroskopisch als auch aus der Luft künstlerisch zu erkunden, wissend, das natürliche Strukturen immer imperfekte Strukturen sind, die durch Brüche des Regelmäßigen und Überschreiten des Erwarteten gekennzeichnet sind.

Die InstallationIt‘s Organic if you Look Close Enoughhinterfragt die perfekte Oberfläche unserer digitalen Realität. Mittels Makroaufnahmen werden die kleinsten Strukturen dieser Welt sichtbar gemacht und deren oberflächliche Perfektion entzaubert. So sind die so vergrößerten Pixel ausgefranste unförmige Farbtupfer die sich als echte analoge Strukturen zeigen.
Das Triptychon bestehend aus OLED Monitoren und entsprechenden live Kameras ist nicht nur die Quelle von sich ständig ändernden und neu generierenden Farbflächen sondern erzeugt auch eine komplexe Klangkulisse. Da diese aus denselben Signalen wie das Videobild gewonnen wird ist sie die erweiterte Darstellung der Bildinformation.

Bei Seltsame Attraktoren handelt es sich um ein generatives System für Sound und Projektionen, das auf einen analogen Computer basiert, der eben diese seltsamen Attraktoren berechnet. Der Titel der Arbeit verweist auf den gleichnamigen mathematischen Begriff (David Ruelle/ Floris Takens, 1971), der der Chaostheorie entlehnt ist und Gesetzmäßigkeiten chaotischen Verhaltens in dynamischen Prozessen beschreibt. Mit seltsamen Attraktoren können beispielsweise turbulente Strömungen von Flüssigkeiten oder Gasen mathematisch beschrieben werden, die sich wegen ihrer Komplexität und Zufälligkeit nicht anders analytisch fassen lassen.

Die Arbeit stellt nun die Frage nach der künstlerischen Festlegung von Grenzen in einem Raum, der eigentlich vom Zufall bestimmt wird. Denn seltsame Attraktoren zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass sie immer einen begrenzenden Rahmen bzw. eine entsprechende Ordnung festlegen, innerhalb dessen dann erst das eigentliche Chaos stattfinden kann. Insofern werden – zumindest im mathematischen Sinn – Zufall und Chaos erst durch den ordnenden Rahmen ermöglicht, da ohne diesen Rahmen alle denkbaren chaotischen Systeme ins Unendliche anstiegen und sich damit der Beobachtung und Beschreibung entziehen würden. Auf die Kunst übertragen würde das bedeuten, dass künstlerisch kreierte chaotische Systeme nicht mehr sichtbar oder hörbar wären. Entsprechend fragt die Installation danach, ob es mithin die KünstlerInnen selbst sind, die den ordnenden Rahmen schaffen, innerhalb dessen ihr Werk erst „zufällig“ entstehen kann.

 

 

***English version***

"Selbstähnlich und Seltsam" by Wolfgang Spahn
(Self-Similar and Strange)

Strange Attractors
An Installation between Coincidence, Chaos, and Order
It‘s Organic if you Look Close Enough
The Sound Converted Macro Structure of an OLED Monitor
Self-Similar Structures
An Apparatus for the Examination of Fractal Structures

The Exhibition „Selbstähnlich und Seltsam“ (Self-Similar and Strange) lies at the interface between Art, Technology and Chaos Theory. It includes three Sound-Light Installations in combination with numerous Prints. The Sound and Video Part of the three Apparatuses are streamed live on the Internet and can be accessed world-wide.